Uit Lotte Brunnerís Dagboek [5]

Zo af en toe weer bezig met het Dagboek dat Lotte Brunner over Constantin Brunner bijhield en waarvan ze hoopt hem "entgenialisiert wiedergegeben [zu] haben," stootte ik weer op een fraai staaltje, deze keer over de "Jacobi-Mendelssohn Streit". Ik heb op dit blog al vaker mijn twijfel geuit aan de 100% betrouwbaarheid van wat Jacobi over Lessing heeft verteld en waarvan alleen hij de getuige was. Brunner noemt Jacobi een 'genie' en het komt mij voor dat dat ironisch bedoeld was.    

4. Juni 1913
“Der Jacobi-Mendelssohnsche Streit – würdest du mich fragen, wer nun recht hat, so könnte ich dir nicht antworten, und niemand könnte es. Aber wenn ich sagen soll, wohin ich mich neige – Jacobi hat das Recht des Genies auf seiner Seite. Aber auch weiter nichts! Und der dumme Mendelssohn hat seine guten Gründe und ist ehrlich gestorben, ganz ehrlich. Ich stelle mir vor, daß Jacobi Lessing genial gesehn hat. Die Äußerungen, die er Lessing zuschreibt, sind so geworden, wie er sie überliefert, durch das Medium Jacobischen Geistes. Daß Lessing Spinozist gewesen, glaube ich keinesfalls. Denn wirklich, wie hätte er vor Mendelssohn dies verschweigen sollen? Dafür gab es keinen Grund. Und etwas davon müßte man doch auch merken in dieser schafigsten aller Philosophien, der ‘Erziehung des Menschengeschlechts’! Die ganze Sache ist eben ein Wunder, vom lieben Gott aus den Wolken erfunden, schlecht erfunden, weil die Geschichte so etwas brauchte.”