Uit Lotte Brunnerís Dagboek [4]

Ben nog bezig alle teksten waarin het in Lotte Brunners dagboek, Es gibt kein Ende, over Spinoza gaat, te verzamelen en ben van plan daar later nog eens op door te gaan.

 

Intussen vind ik het wel aardig één zo'n tekst te geven, die een indruk geeft van de intensieve omgang met Spinoza in huize Brunner én van een aantal aspecten waarin Constantin Brunner van Spinoza afwijkt.

 

8 Juni 1915

 

Wir lesen den »Politischen Traktat« im lateinischen Original miteinander, Vater und ich. Zum 8. Paragraphen vom 2. Kapitel sagte Vater (hauptsächlich bezüglich des Satzes: »Nam natura non legibus humanae rationis, quae non nisi hominum verum utile et conservationem intendunt, continetur« etc.), daß da Spinoza den praktischen Verstand charakterisiere, aber ohne von Fühlen und Wollen zu sprechen. Es klänge so, als meinte er dasselbe wie Vater, sei aber doch ganz anders, denn es sei nicht gesagt, daß unser Denken unsre Existenz ist. Und ebenso etwas weiterhin, wo der Mensch particula naturae genannt wird, der deshalb nicht totius naturae ordinem erkennen könne, so würde Vater nicht sagen. Obschon bei Spinoza keine Klage im Hintergrund stünde über menschliche Unvollkommenheit, wie bei andern (»Er war ganz unsentimental, er war der stärkste Mann!«). Aber Vater sagt, daß der Mensch und jedes einzelne auch das Ganze ist. Das hat Spinoza natürlich auch gewußt und es zum Ausdruck gebracht in dem Satz der Ethik (4. Def. im I. Buch): Per attributum intelligo id, quod intellectus de substantia percipit, tanquam ejusdem essentiam constituens. »Tanquam; wenn man dies tanquam versteht, hat man alles. Und dies ist die wahre Philosophie des Als ob!« — »Ich freue mich immer so sehr, daß Spinoza nie etwas Verkehrtes sagt. Denk mal, was das heißt! Er führt Wichtiges nicht aus, aber Fehler gibts nicht.« — Nicht ganz recht ist Vater im »Politischen Traktat« die Auseinandersetzung über das Jus naturae. »Es ist eine Konzession an seine Zeit, die sich viel mit diesem Begriff beschäftigte, daß sie so lang ist. Darum ist sie zu lang. Denn es ist ja eigentlich kein Begriff! Nirgendwo existiert ein natürliches Recht, und man sollte das Wort >Recht<, das seinen ganz bestimmten, auf eingerichtete menschliche Gesellschaft passenden Sinn hat, nicht auf eine Fiktion anwenden.«