Studies over de scientia intuitiva kunnen er nooit genoeg zijn

Graag attendeer ik weer eens op een interessante master thesis:

Bernadette Reisinger, „Das Problem der scientia intuitiva als Erkenntnis der Essenz des Einzeldings. Eine kritische Relektüre der dritten Erkenntnisart in Spinozas Ethik“. Master of Arts-thesis, Universität Wien, 2016 – academia.edu

Om een idee te geven haal ik hier de inhoudsopgave en (liever dan het abstract) een deel van de inleiding naar binnen. Het geeft een duidelijk beeld van het onderwerp, maar ook van de heldere stijl. Opmerkelijk vind ik wel dat de dissertatie van Sanem Soyarslan, Reason and Intuitive Knowledge in Spinoza’s Ethics: Two Ways of Knowing, Two Ways of Living (2012) door haar niet is gezien. Zo ontzettend veel literatuur over de scientia intuitiva bestaat er nu ook weer niet. Daarentegen ontsluit zij weer wel andere minder gemakkelijk vindbare literatuur. Ik vind het dan ook wel een indrukwekkend en nuttig werkstuk. Mooi dat het ons zomaar in de schoot wordt geworpen.

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Erkenntnistheorie Spinozas im Allgemeinen und die drei Arten der Erkenntnis
2.1. Konzeptuelle Voraussetzungen
2.2 Die erste Erkenntnisart: opinio / imaginatio
2.3 Die ratio als eine Form adäquater Erkenntnis
2.4 Übergang von der ratio zur scientia intuitiva und die Ausdrucksbeziehung zwischen Substanz und Modi
3. Das modale Wesen der Einzeldinge und der conatus als wirkliche Essenz
4. Die scientia intuitiva als intuitive Erkenntnis der Essenz des Einzeldings
4.1. Die intuitive Erkenntnis unserer selbst
4.2. Die scientia intuitiva als intuitives Wissen
4.3. Die intuitive Erkenntnis der anderen Dinge als Möglichkeit
5. Resümee und Ausblick
Literaturverzeichnis
Abstract

 

Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Konzeption der scientia intuitiva bei Spinoza, die in der Ethik als dritte Erkenntnisart neben der opinio/imaginatio und der ratio eingeführt wird und deren Gegenstand das Wesen der Einzeldinge sein soll. Die rationale Erkenntnis verfährt analytisch und deduktiv und beschränkt sich auf die allgemeinen Eigenschaften der Dinge sowie die natürlichen Gesetzmäßigkeiten, die die Dinge in ihrem Verhältnis zueinander hinsichtlich ihres Entstehens, Existierens und Vergehens in der Zeit bestimmen. Dass es sich bei dieser „Beschränkung“ des Einzugsbereichs der ratio überhaupt um eine solche handelt, ist zunächst nicht selbsterklärend, soll aber im Zuge dieser Arbeit plausibel gemacht werden. Dem menschlichen Geist soll es gemäß Spinoza mittels intuitiver Erkenntnis nämlich möglich sein, auf der Erkenntnis der ratio aufbauend und über sie hinausgehend in einem Akt des unmittelbaren Einsehens oder Begreifens eine adäquate Erkenntnis der Essenzen der besonderen Einzeldinge sub specie aeternitatis zu erlangen. Das bedeutet nichts Minderes als dass es uns möglich sein soll, in einem Akt intuitiver Einsicht, uns selbst und diejenigen Dinge, die uns in der sinnlichen Erfahrung in Form von „verstümmelten“ und „verworrenen“ Ideen und im Verstand „klar“ und „deutlich“ gegeben sind, so zu erkennen, wie sie als Einzelne mit Notwendigkeit aus der einen Substanz – dem allumfassenden Sein selbst, Gott oder der Natur (deus sive natura) – hervorgehen, der sie, gemäß der Konzeption von der Substanz als immanenter Ursache alles Seienden, zugleich auch – als Teil des Ganzen – inhärieren.

In der Forschungsliteratur gibt es bereits zahlreiche verschiedene Ansätze zu einer Interpretation der sogenannten dritten Erkenntnisart bei Spinoza, die offensichtlich allerlei interpretative Schwierigkeiten mit sich bringt, sei es hinsichtlich ihrer Funktion und Bedeutung in Spinozas Epistemologie, sei es hinsichtlich der methodologischen Frage danach, wie sich diese Erkenntnisart in Spinozas System als Ganzes integrieren und mit seiner deduktiven Methode des mos geometricus vereinbaren lässt, seien es schließlich kontroverse Debatten darüber, ob der scientia intuitiva vor allem Bedeutung im Bereich der Praxis und der Gefühle zukommt oder ob damit zuletzt nicht doch ein mystisches Element in ein ansonsten streng rationalistisches System Einzug hält.

Einig sind sich die Spinozaforscher und -forscherinnen hinsichtlich der scientia intuitiva vor allem in einem Punkt: Die Frage nach dem Wesen und der Funktion dieser Art von Erkenntnis bzw. dem mittels dieser Art von Erkenntnis generierten Wissen stellt eine der schwierigsten Fragen der Spinoza-Interpretation dar. Die Schwierigkeit mag zunächst einmal darin liegen, dass Spinoza diesen Begriff nicht explizit definiert, sondern einerseits seine Bedeutung anhand von Beispielen zu erklären versucht, ihn andererseits an mehreren Stellen auf eine Art und Weise charakterisiert, die der Interpretation (wie vieles andere in Spinozas Werk) so viel Spielraum lässt, dass ganz unterschiedliche und teilweise gegenläufige Deutungen möglich scheinen. Einige Aspekte, hinsichtlich derer gravierende Uneinigkeit in der Forschung vorherrscht, möchte ich an dieser Stelle kurz andeuten.

So stößt man beispielsweise auf die Behauptung, dass die scientia intuitiva ein notwendig anzunehmender letzter Schritt auf dem Weg zu einem rationalistischen Wissenschaftsideal darstellt, das davon ausgeht, dass sich aus klar und deutlich erkannten Prinzipien alles weitere ableiten lässt und an dessen Ursprung eine Art von unmittelbarer Erkenntnis des ersten Prinzips stehen muss. Zum Zwecke eines solchen letzten oder besser: ersten Ankers würde Spinoza die scientia intuitiva in Dienst nehmen (Röd 1977). Dem stehen Interpretationsansätze entgegen, die vor allem auf den Erfahrungs- und Erlebnisaspekt der scientia intuitiva aufmerksam machen, der als Selbstzweck erachtet wird. In eine solche Richtung gehen jene Interpretationen, die in der scientia intuitiva ein Erleben mystischer Art zu entdecken vermeinen, d.h. eine Möglichkeit der Selbsttranszendierung und der affektiven Vereinigung mit Natur und Gott, die in einem Gefühl des Einsseins mit dem ganzen Universum resultieren (De Dijn 1990, Yovel 2012).

Unterschiedliche Meinungen finden sich weiters hinsichtlich der mehr ins Detail gehenden epistemologischen Frage, ob es sich bei der intuitiven Erkenntnis um ein unmittelbares Wissen handelt, das möglicherweise auch gar nicht weiter expliziert werden kann (Ellsiepen 2006, Hubbeling 1964), oder ob wir es nicht nur bei der zweiten Erkenntnisart, der ratio, sondern auch bei der scientia intuitiva mit einer Form deduktiver Erkenntnis zu tun haben, insofern sie von Spinoza unter anderem als Wissen von den Einzeldingen, abgeleitet von der Einsicht in die Attribute Gottes, beschrieben wird (Parkinson 1993). Damit hängt in einem weiteren Sinn die kontrovers diskutierte methodologische Frage zusammen, ob die Ethik selbst Erkenntnisse zweiter und dritter Gattung beinhaltet und benötigt (Gueroult 1974) oder ob für ihre Axiome, Definitionen und Beweise die Erkenntnis der zweiten Art, die ratio, ausreicht, während die dritte Erkenntnisart von Spinoza quasi nur postuliert und beschrieben wird (Hubbeling 1964).

Die, wie mir scheint, aktuell am Häufigsten diskutierte Frage, auf die auch im Folgenden ausführlicher einzugehen sein wird, ist jene, ob es sich bei der Unterscheidung zwischen rationaler und intuitiver Erkenntnis in der Ethik um einen wesenhaften, ontologisch und epistemologisch fundamentalen Unterschied handelt (Wolfson 1948, Röd 1977, Hubbeling 1986) oder vielmehr um einen relativen und graduellen (Deleuze 1993, Gueroult 1974, Bartuschat 1994). Es gibt sogar Positionen, die für eine Einheit beider Erkenntnisarten plädieren und in der zweiten und dritten Erkenntnisart nur zwei Aspekte oder Momente ein und desselben Erkenntnisprozesses sehen (Malinowski-Charles 2004). Vertreter der beiden letzten Ansätze betonen vorrangig, wenn auch nicht ausschließlich, vor allem die praktische und affektive Bedeutung der scientia intuitiva.